Straßenlaternen als Ladestationen für E-Autos

Das E-Auto ist die Zukunft des Straßenverkehrs, doch der Wechsel steht in Deutschland vor einigen Herausforderungen. Ich hörte letzte Woche die aktuelle Folge des Podcasts „Baywatch Berlin“ und da ging es um nachhaltige Technologien und Innovationen für den Kampf gegen den Klimawandel. In einem Satz erzählte Klaas Heufer-Umlauf von einer Technologie, die zwar aus Deutschland komme, sich aber hier nicht durchgesetzt habe, jedoch in England umgesetzt wurde.
Ladeinfrastruktur mit Straßenlaternen herstellen
Die Rede war von der Umrüstung der mit Strom betriebenen Straßenlaternen, um daraus Ladestationen für E-Autos zu machen. Diese Technologie wäre bereits verfügbar, würde gar nicht so hohe Kosten verursachen und würde mit einem Schlag das Problem einer fehlenden Ladeinfrastruktur für Elektroautos lösen. Seit einer Woche bekomme ich diesen Gedanken nicht mehr aus meinem Kopf, denn die Lösung scheint so naheliegend und einfach zu sein, sodass ich mich fragte, wieso diese Innovation in Deutschland nicht längst umgesetzt wurde. Hier könnte Deutschland ein Vorreiter in der E-Mobilität sein.
Shell ubitricity in England ein Erfolg
Eines der Top-Suchergebnisse zu dem Thema ist ubitricity.com, welche zu Shell gehört. Im Impressum der Website ist die Gesellschaft für verteilte Energiesysteme mbH aus Berlin zu finden. Auf der Website ist eine Karte über das aktuell vorhandene Ladenetz von ubitricity zu finden, welche ausschließlich Ladepunkte in Großbritannien anzeigt. Auf der Website wird nach Referenzprojekten in Deutschland geworben, aber aktuell scheint hier kein Interesse vorhanden zu sein.
Die Meldungen über ubitricity gehen zurück auf den September 2021. Es kann also gut sein, dass es im Hintergrund bereits Planungen für Pilotprojekte oder mehr in Deutschland gibt, aber ich finde die Idee so genial, dass ich doch gerne für etwas mehr Sichtbarkeit sorgen möchte. In einem Blog-Artikel von BASIC thinking aus dem März 2022 habe ich erfahren, dass Berlin einen Auftrag über eine Ausschreibung vergeben hat, der die Umrüstung von 200 Straßenlaternen in Berlin beinhaltet. Andere Artikel berichten über die Fertigstellung bis Jahr 2020, doch da scheint es damals ein technisches Problem gegeben zu haben.
Viele Blogs und Portale über E-Mobilität scheinen von der Idee ebenfalls begeistert zu sein, weil diese Lösung für das dringliche Problem so nah liegt. Das einzige Manko ist noch die Geschwindigkeit des Ladevorgangs, da die Leistung nicht so hoch ist, aber gleichzeitig schont eine vorsichtige Ladung den Akku und der Plan ist, dass wir über Nacht das Auto im öffentlichen Raum laden.
NOX-Block in Dortmund, Schwerte und Iserlohn
Es gibt allerdings schon vereinzelt Ladestationen an Straßenlaternen in Deutschland. Ein Beispiel ist NOX-Block, denn hier wird die Straßenbeleuchtung im öffentlichen Raum bereits für die E-Mobilität genutzt. Die Bundesregierung fördert aktuell derartige Programme mit dem Sofortprogramm „Saubere Luft“ und ließ hier 10 Millionen Euro springen. Die Zielvorgabe, möglichst schnell viele E-Autos auf den Straßen zu haben, kann nur mit diesen schnell umsetzbaren Innovationen erreicht werden.
In mehreren Städten gibt es immer wieder Straßenlaternen, die bereits als Ladestationen für E-Autos genutzt werden, aber wir benötigen eine flächendeckende Lösung in Deutschland. Viele Besitzer eines E-Autos beschweren sich über die Fülle der Apps und Anbieter, denn auch hier braucht es eine einheitliche Lösung, damit wir uns nicht bei jeder Ladestation eine neue App installieren müssen.
Deutschland muss schneller werden
Während in Großbritannien die Umrüstung der Straßenlaternen für E-Autos längst begonnen hat, stehen wir uns in Deutschland selbst im Weg. Ich will unser Land gar nicht kritisieren, denn genau diese bürokratischen Hürden und die Gründlichkeit sind auch Gründe für den Wohlstand und die Stabilität dieses Landes. Um die Klimaherausforderungen zu bewältigen, müssen bestimmte Vorgänge beschleunigt werden, damit wir diese meistern und den Anschluss nicht weiter verlieren. Deutschlands Autofahrer sind so sehr in ihr Auto verliebt, sodass der Umstieg zum E-Auto nur dann gelingen kann, wenn Anreize geschaffen werden. Eine flächendeckende Ladeinfrastruktur ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Was haltet ihr von der Idee, die vorhandenen Straßenlaternen in Ladestationen für E-Autos umzuwandeln und aufzurüsten?




