Die Zukunft der Pflege beginnt mit einem Umdenken

Allgemeine Darstellung anhand aktueller Zahlen aus der Pflege-Branche
Im Jahr 2021 wurden in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 1,6 Millionen Patienten durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt. Mehr als 16.700 Pflegedienste wurden dafür in Anspruch genommen. Der ambulante Pflegemarkt kennt nur eine Richtung: Die Zahl der zu betreuenden Patienten wird stetig steigen. Einen gesetzlichen Anspruch auf Sachleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst haben alle Personen mit einem Pflegegrad von 2 bis 5. Weder Pflegegeld noch Sachleistungen erhalten Personen, die den Pflegegrad 1 haben.
Was sind die Sachleistungen und wie hoch sind sie?
Die Pflegeversicherung übernimmt für Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2 die Kosten für die Inanspruchnahme einer Pflege. Die Inanspruchnahme umfasst körperbezogene Maßnahmen, Betreuungsmaßnahmen und eine Hilfe zur Haushaltsführung, falls nötig. Die maximalen Leistungen pro Monat sind für den Pflegegrad 2 724 Euro, für den Pflegegrad 3 1363 Euro und für den Pflegegrad 4 1693 Euro. Darüber hinaus kann auch ein Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro für Leistungen ambulanter Pflegedienste eingesetzt werden.
Was genau wird bezuschusst?
- Körperbezogene Pflegemaßnahmen wie Körperpflege, Ernährung und die Förderung der Bewegungsfähigkeit
- Pflegerische Betreuungsmaßnahmen wie Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, Hilfe bei der Orientierung und Gestaltung des Alltags
- Häusliche Krankenpflege nach §37 SGB V (Sozialgesetzbuch) als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Beispiele: Verbandswechsel, Medikamenteneinnahme, Injektionen
- Beratung der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen bei pflegerischen Fragestellungen, Unterstützung bei der Vermittlung von Hilfsdiensten Beispiele: Fahrdienst, Essen auf Rädern, Krankentransporte
- Hilfen bei der Haushaltsführung Beispiele: Kochen, Reinigung der Wohnung
Stand heute
Aufgrund eines immer fortschrittlicher werdenden medizinischen Systems werden in der Bundesrepublik Deutschland immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen sein. Die Lebenserwartung steigt jährlich an. Dies hat mit dem neuen Bewusstsein der Menschen für Gesundheit zu tun, wie beispielsweise die fleischlose Ernährung, der Rückgang der Raucher:innen, das Tracking der eigenen Bewegung durch Smartphones und Smartwatches, aber natürlich auch wegen der immer besser werdenden medizinischen Versorgung.
In allen Medien, ob Presse, Fernsehen und Internet wird händeringend nach examinierten Pflegekräften gesucht. Es wird gelockt mit großzügigen Gehältern und außerhalb des Dienstes auch mit privat zu nutzenden Dienstwagen.
Doch wie sieht die Realität wirklich aus?
Wer in einer Großstadt wohnt, dem wird augenscheinlich vorgeführt, wie ineffizient die Dienste arbeiten. An manchen Tagen sieht man vier bis fünf Dienstfahrzeuge verschiedener Pflegedienste vor einem Haus anhalten, um einen zu Pflegenden zu besuchen. Alle reden von Effizienz und Ressourcenschonung, aber im Bereich der Pflege ist man davon sehr weit entfernt. Um es mit den Worten der Betriebswirtschaft zu beschreiben: Pflegerinnen und Pfleger sind ein knappes Gut. Setzen wir sie doch effizient ein, bündeln die Zeiten, sparen Treibstoff, vielleicht auch Nerven bei der Parkplatzsuche und, wie man es im Ruhrgebiet zu sagen pflegt: tun wir uns doch einfach zusammen und kooperieren miteinander.
Es gibt auch gute Signale in der Branche der Pflegeberufe, denn Institutionen, wie der Bundesverband „Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen e. V.“, bad e.V. abgekürzt, fördert seine Mitglieder:innen immerhin auf die Art, dass gemeinsame Standards umgesetzt werden, aber bringt auch mit Schulungen und Fortbildungen die Pflege auf den aktuellen Stand. Gleichzeitig hat dieser Bundesverband für die Pflege-Branche ein Positionspapier veröffentlicht, welches deutlich aufzeigt, dass es viele bekannte und offensichtliche Ungerechtigkeiten und Probleme in der Branche gibt, die nur gemeinsam in eine laute Stimme mit Wirkung gepackt werden kann.
Von der Vision zur Wirklichkeit
Eine bessere Marktposition mit Gleichgesinnten wird durch die Gründung einer Genossenschaft erreicht. Die Vorteile für jeden Beteiligten:
- Bei der Gründung ist kein Mindestkapital notwendig
- Unabhängig von der Höhe seiner Einlagen hat jedes Mitglied eine Stimme
- Der Vorstand kann ehrenamtlich, auf Minijob-Basis oder sozialversicherungspflichtig arbeiten
- Der Ausschluss von Mitgliedern durch andere Mitglieder ist fast unmöglich
- Teile des privaten Konsums sind für ordentliche Mitglieder steuerfrei
- Keine Fahrtenbuchregelung bei Genossenschaftsfahrzeugen
Fazit
Gerade für Pflegedienste bietet diese Art der Gesellschaftsform große Vorteile. Zentraleinkauf unter Ausnutzung sämtlicher Rabattierungen aller zur Ausübung des Berufes benötigten Materialien. Bündelung von Fahrten zu den Pflegenden durch Neuausrichtung des Zeitrahmens. Ein wesentlich effizienteres Arbeiten der Fachkräfte und reichlich Zeitgewinn. Je mehr Mitglieder gewonnen werden können, umso erfolgreicher kann die Genossenschaft werden. Zur Gründung einer Genossenschaft reichen schon drei Mitglieder aus. Die Nachfrage nach Dienstleistungen wird niemals abnehmen. Das heißt, Gewinne werden bei einer Gründung einer Genossenschaft auf jeden Fall erwirtschaftet. Vom „Ich“ zum „Wir“ ist es nur ein kleiner Schritt.



