EU-Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung hat AUswirkungen auf die regionale Wasserversorgung, aber bedeutet auch, dass wir weiterhin besorgt auf die Zukunft des Trinkwassers schauen müssen.
Fast überall in Rom können Sie an mehr als 2500 Trinkwasserbrunnen gefahrlos Ihre Trinkflaschen füllen, das Wasser trinken oder sich anderweitig eine Abkühlung verschaffen. Die Nasoni, was so viel heißt wie -lange Nase, wie die Trinkwasserbrunnen in Rom liebevoll genannt werden, befinden sich seit 1874 im gesamten Stadtgebiet. Das Wasser der Fontanelle Pubbliche (öffentliche Quelle) ist von hervorragender Qualität und aus einigen Trinkwasserbrunnen sprudelt das Wasser sogar, denn es enthält natürliche Kohlensäure. Im Hahn des Auslaufs ist ein kleines Loch eingearbeitet. Wenn Sie mit einem Finger den Kran absperren, schießt das Wasser durch das kleine Loch direkt in den Mund, wenn Sie es geschickt anstellen.
Es ist verpönt und auch höchst unhygienisch, mit dem Mund den Kran zu berühren. Falls Sie doch einmal einen Brunnen sehen, aus dem das Wasser nicht getrunken werden kann, weist ein Hinweisschild mit den Worten: -Aqua non potabile- darauf hin. Für jeden Rombesucher gibt es sogar eine kostenlose App, mit der man diese Trinkwasserbrunnen finden kann. Da die Brunnen immer in Betrieb sind, bieten sie auch Hunden und Katzen genug Wasser zum Trinken und der angrenzenden Fauna die notwendige Feuchtigkeit. In einigen Brunnen der Stadt wird das Wasser auch gesammelt und zur Bewässerung der Grünanlagen verwendet.
Was hat die neue EU-Trinkwasserverordnung mit Rom zu tun?
Die neue EU-Trinkwasserrichtlinie (Richtlinie (EU) 2020/2184 vom 16.12.2020; kurz RL 2020/2184 ist am 12. Januar 2021 in Kraft getreten und musste bis zum 12. Januar 2023 in nationales Recht umgesetzt werden. Die Umsetzung sollte unter der Federführung des Bundesgesundheitsministeriums erfolgen. Die neue Trinkwasserrichtlinie sieht umfassende Änderungen vor, die weitreichende Auswirkungen für die kommunale Wasserwirtschaft haben wird. Verlangt wird ein risikobasierter Ansatz aller Wasserversorger über die gesamte Versorgungskette.
Die Überwachung des Wassers von der Entnahmestelle bis zum Wasserhahn wird zur Pflichtaufgabe. Die Grenzwerte müssen angepasst werden. Neue Vorgaben zu Mikroplastik und Stoffen mit endokriner Wirkung werden eingeführt. Die Wasserversorger müssen ihren Verbrauchern ausführliche Informationen zur Trinkwasserqualität an die Hand geben. Außerdem, und jetzt sind wir der Stadt Rom sehr nah, muss der Zugang zu öffentlichem Trinkwasser verbessert werden. Dazu sollen, oder wie es das Gesetz sagt, müssen an öffentlichen Plätzen Trinkwasserbrunnen aufgestellt werden, auch weil sich im urbanen Raum die Temperaturen in den letzten Jahren deutlich erhöht haben. Künftig soll allen Bürgerinnen und Bürgern im öffentlichen Raum der Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser ermöglicht werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wichtig bei Hitze in urbanen Räumen
Ab sofort gehört die Bereitstellung von Leitungswasser an öffentlichen Orten zur Daseinsvorsorge. Die Kommunen werden gemäß der Trinkwasserverordnung dazu verpflichtet in Parks, Fußgängerzonen und in großen Einkaufspassagen Trinkwasserbrunnen zu errichten. Welche priorisierten Örtlichkeiten die Kommunen bevorzugen bleibt ihnen überlassen. Von der Kommission vorgeschlagen werden Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Altersheime, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Bildungsstätten, Beherbergungsbetriebe, Restaurants und Gaststätten, Sport- und Einkaufszentren, Freizeit- Erholungs- und Ausstellungseinrichtungen, Strafvollzugsanstalten und Campingplätze.
Das EU-Parlament rechnet mit künftigen Hitzeereignissen im urbanen Raum und setzt auf eine verringerte Nutzung von Flaschenwasser in Kunststoffgefäßen. Nur der jährliche Einweg-Plastikflaschen Verbrauch in Deutschland beträgt 17 Milliarden Stück, hergestellt aus 438.000 Tonnen Rohöl, obwohl Deutschland schon sehr nachhaltig unterwegs ist. Nach Schätzungen der EU-Kommission trinkt ein EU-Bürger pro Jahr bis zu 106 Wasserflaschen. Rund eine Millionen EU-Bürger, das sind 11% der Europäer, haben keinen Zugang zu sauberem Wasser.
Was bedeutet das für den Verbraucher
Zum 01. Januar 2023 haben die Stadtwerke Hanau den Preis für Trinkwasser erhöht, auch, um den neuen EU- Vorgaben aus der Trinkwasserverordnung gerecht zu werden, wie die Geschäftsführerin Martina Butz ausführt: Auch die neue EU-Trinkwasserrichtlinie mit ihren Forderungen nach einem verpflichtenden Risikomanagement in der Wasserversorgung sowie neue oder strengere Grenzwerte bei neu auftretenden Schadstoffen haben einen höheren Aufwand bei den Wasserversorgern und daher bei den Stadtwerken Hanau zur Folge.
Leidet vielleicht das lukrative Geschäft „Aus dem Wasserhahn direkt in die Flasche“ an der neuen EU-Trinkwasserverordnung?
Im Gegensatz zu Mineralwasser, das sich nur so nennen darf, wenn es aus einem Mineralbrunnen stammt, handelt es sich bei Tafelwasser um nichts weiter als um Leitungswasser, das der Wasserversorger der Abfüllanlage zur Verfügung stellt. In einigen Fällen werden dem abgefüllten Leitungswasser Mineralien oder Kohlensäure zugesetzt. Der Preis für Tafelwasser ist um das 250-fache teurer als das Leitungswasser des Wasserversorgers. Allein in der Stadt Wien, in der Hauptstadt unseres Nachbarlandes, sind aktuell 900 Trinkbrunnen installiert. Wenn jetzt aber nach der EU-Trinkwasserrichtlinie überall in den Stadtbezirken Trinkbrunnen errichtet werden, wird das Geschäft mit dem Tafelwasser deutliche Einbußen erfahren. Doch diese Trinkwasserverordnung fördert das Grundrecht jederzeit an gesundes Trinkwasser gelangen zu können.
Was kostet eine Trinkwasserstation heute?
Die Kosten für eine Anlage liegen im Bereich von 13.000 bis 15.000 €. Darin sind alle Kosten von der Herstellung der Spender über den Betrieb, die Instandhaltung, die Entwässerungskosten und die jährliche Wintereinlagerung enthalten. Aus hygienischen Gründen läuft das Wasser aus den Spendern ständig und kehrt in den natürlichen Kreislauf zurück. Einen Nachteil haben zum Beispiel die in Köln installierten zwölf Trinkwasserspender. Sie werden nur von April bis Oktober betrieben und dann über die Winterzeit eingelagert.
Trinkwasserbrunnen haben auch in Paris eine lange Geschichte
Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 waren in Paris zahlreiche Wasserleitungen zerstört. Den ohnehin schon hohen Wasserpreis konnten sich viele ärmere Menschen nicht mehr leisten und die Versuchung war groß, auf alkoholische Getränke auszuweichen. Sir Richard Wallace, ein reicher Mäzen, sah es als seine Pflicht an, in Paris Brunnen zu errichten, um allen Bewohnern Zugang zu kostenlosem Trinkwasser zu ermöglichen. Selbst entwarf er vier unterschiedliche Modelle, die nach seinen Vorstellungen in Gusseisen ausgeformt wurden. Er selbst trug den größten Teil der Kosten. Der Beitrag für die Stadt belief sich auf 1000 Francs für die große Ausführung und 450 Francs für das wand montierbare Modell.
Wo seine Brunnen aufgestellt werden sollten, überließ er der Stadtverwaltung. Die meisten Brunnen funktionieren auch noch heute und aus ihnen kommt, auch wenn viele es nicht glauben wollen oder können, tatsächlich Trinkwasser, jährlich vom 15. März bis zum 15. November. Die Metropole an der Seine bietet seinen Gästen und Bürgern mehr als 1100 Trinkwasserbrunnen an, die größtenteils gratis jeden mit Trinkwasser versorgen.
Wie sieht es in ganz Deutschland aus?
Im August 2022 hat sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz dazu geäußert. Im gesamten Bundesgebiet, schätzt das Ministerium, gibt es 1300 öffentliche Trinkwasserbrunnen und in einem nächsten Schritt sollen 1000 zusätzliche Trinkwasserbrunnen gebaut werden. Das heißt, in ganz Deutschland werden genauso viele Brunnen gebaut, wie die Stadt Rom allein besitzt.
Und wie sieht es in den Privathaushalten mit dem Wasserverbrauch aus?
Der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft errechnete einen Wasserverbrauch pro Person und Tag von insgesamt 127 Litern.
Davon entfallen
- 36% auf Duschen, Baden, Körperpflege
- 27% auf die Toilette
- 12% auf das Wäschewaschen
- 9% auf Kleingewerbetanteil
- 6% auf das Geschirr spülen
- 6% auf Putzen und Garten
- 4% auf das Essen und Trinken
Wie sieht es weltweit aus?
Auf einer Generalversammlung der Vereinten Nationen am 28. Juni 2010 sollte darüber abgestimmt werden, ob einwandfreies und sauberes Trinkwasser zu einem Menschenrecht werden sollte, welches in der umfassend geltenden Trinkwasserverordnung verankert werden sollte. Bei der Abstimmung darüber sprachen sich 41 Nationen dagegen aus. Es wird vermutet, dass einige Länder das Trinkwasser als Druckmittel gegen andere Länder nur zu gerne einsetzen. Die Wasserqualität sämtlicher Länder der Erde wird regelmäßig von der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) kontrolliert und auf einer Webseite veröffentlicht.
In der Veröffentlichung aus dem Jahr 2022 sind 180 Länder und Inselregionen aufgeführt, in denen Wasser aus der Leitung keinesfalls getrunken werden sollte, um gesundheitsschädliche Nebenwirkungen auszuschließen. Neben den fernen Reisezielen wie Südafrika oder Thailand zählen auch einige Staaten und Inseln in Europa dazu, wie Bulgarien, Albanien, die Türkei sowie die Kanaren und Madeira.
Was hältst du von der Trinkwasserverordnung und wie siehst du die Zukunft des Wassers?
Bildquelle: Pixabay-User musiking



