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Batman ist für mich eine dieser Comicfiguren, bei denen ich besonders gerne sehe, was Autoren und Zeichner mit dem bekannten Mythos anstellen, sobald sie nicht an die reguläre Kontinuität gebunden sind. Gotham City, Bruce Wayne, Alfred, Robin, Joker und all die anderen Bestandteile der Batman-Welt sind schließlich so fest im Kopf verankert, dass schon kleine Veränderungen spannend sein können.
„Batman: Die unsterbliche Legende von Batman“ geht allerdings nicht den Weg der kleinen Veränderung.
Dieser Comic nimmt Batman, wirft ihn weit in die Zukunft, schickt ihn quer durch das Weltall und vermischt den Dunklen Ritter mit Science-Fiction, japanischen Tokusatsu-Serien und einer gehörigen Portion Power Rangers. Schon nach wenigen Seiten war mir deshalb klar: Entweder man lässt sich auf diese komplett neue Interpretation ein oder man wird mit diesem Batman vermutlich nicht glücklich.
Ich habe mich darauf eingelassen. Und hatte erstaunlich viel Spaß dabei.
Batman verlässt Gotham und reist zu den Sternen
Über die eigentliche Handlung möchte ich auch dieses Mal möglichst wenig verraten. Gerade bei einer abgeschlossenen Miniserie mit nur sechs US-Ausgaben würde ich sonst ziemlich schnell Dinge vorwegnehmen, die beim Lesen deutlich mehr Spaß machen, wenn man sie selbst entdeckt.
Die Grundidee darf man aber kennen: In einer weit entfernten Zukunft hat sich die Menschheit über zahlreiche Planeten ausgebreitet. Durch den Einsatz gefährlicher Technologien wurde die Grenze zwischen unserem Universum und einer Art Schattenuniversum beschädigt. Von dort dringen gefährliche Wesen in unsere Welt ein.
Batman ist hier deshalb nicht einfach nur der maskierte Verbrecherjäger aus Gotham City, sondern eine beinahe kosmische Legende. Auch Robin und Nightwing existieren in dieser Zukunft als solche Legenden und kämpfen gegen die Bedrohungen aus dem Schattenuniversum. Dass ausgerechnet die einstige menschliche Fledermaus aus Gotham City irgendwann von seinem ursprünglichen Weg abkommt, setzt schließlich die eigentliche Geschichte in Gang.
Mit dem klassischen Batman hat das zunächst erstaunlich wenig zu tun
Wer beim Namen Batman automatisch an dunkle Gassen, das Batmobil, das Wayne Manor und nächtliche Verbrecherjagden auf den Dächern Gothams denkt, dürfte während der ersten Seiten vermutlich kurz überprüfen, ob er wirklich den richtigen Comic gekauft hat. Das hier ist Science-Fiction. Richtige Science-Fiction. Raumschiffe, fremde Planeten, kosmische Energien, monströse Gegner und teilweise ziemlich spektakuläre Transformationen bestimmen die Geschichte.
Die Inspiration durch japanische Tokusatsu-Produktionen wie „Kamen Rider“, „Ultraman“ oder „Super Sentai“ ist dabei kein kleines Detail im Hintergrund, sondern ein zentraler Bestandteil des gesamten Konzepts. Die Autoren Kyle Higgins und Mat Groom haben diese Einflüsse ganz bewusst mit dem Batman-Mythos verbunden.
Das Ergebnis fühlt sich deshalb manchmal tatsächlich eher wie eine Mischung aus Batman, Power Rangers und einer großen Weltraumserie an. Und genau darin liegt für mich der Reiz dieses Comics.
Unter der Science-Fiction-Rüstung steckt weiterhin Batman
So weit sich „Die unsterbliche Legende von Batman“ optisch und erzählerisch von klassischen Batman-Geschichten entfernt, so wichtig war für mich beim Lesen eine andere Frage: Ist das unter all diesem Science-Fiction-Wahnsinn überhaupt noch Batman?
Für mich lautet die Antwort überraschenderweise: ja.
Denn viele grundlegende Elemente der Figur bleiben erhalten. Er analysiert seine Gegner, sucht nach Lösungen, stellt Zusammenhänge her und trägt eine Verantwortung mit sich herum, die größer ist als er selbst.
Auch die bekannten Beziehungen innerhalb der Batman-Familie werden nicht einfach vergessen. Robin und Nightwing spielen wichtige Rollen, und mit Barbara Gordon taucht ebenfalls eine Figur auf, die tief mit dem Mythos verbunden ist. Die Autoren kopieren diese Charaktere jedoch nicht einfach in eine futuristische Umgebung. Vielmehr werden ihre bekannten Eigenschaften genommen und für diese neue Welt neu interpretiert.
Genau so sollte für mich eine gute Elseworlds-Geschichte funktionieren.
Bekannte Gegner sehen plötzlich vollkommen anders aus
Besonders unterhaltsam fand ich, wie selbstverständlich der Comic auch bekannte Elemente aus Batmans klassischer Schurkengalerie übernimmt und komplett neu zusammensetzt. Begegnungen und Motive erinnern unter anderem an Figuren wie Riddler, Poison Ivy oder Joker, ohne dass einfach die bekannten Versionen dieser Charaktere aus Gotham in ein Raumschiff gesetzt werden.
Stattdessen fragt der Comic immer wieder:
„Wie könnte diese Figur oder diese Idee in einer gänzlich anderen Zukunft aussehen?“
Dadurch entsteht ein schöner Wiedererkennungseffekt. Als Batman-Leser erkennt man Namen, Eigenschaften oder typische Motive und ist gleichzeitig neugierig darauf, was diese Version des Universums daraus macht.
Mehr möchte ich an dieser Stelle bewusst nicht verraten.
Fast jedes Kapitel fühlt sich wie ein eigenes Abenteuer an
Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die Struktur des Comics. Batman reist im Verlauf der Geschichte durch sehr unterschiedliche Welten und Situationen. Dadurch besitzen die einzelnen Kapitel teilweise den Charakter eigenständiger Abenteuer, während im Hintergrund trotzdem eine größere Geschichte weiterläuft. Mal erinnert das Ganze stärker an eine Weltraumoper, mal an einen Western, dann wieder an eine klassische Ermittlung eines Detektivs oder eben an eine japanische Actionserie mit riesigen Bedrohungen.
Diese Abwechslung verhindert, dass sich das ungewöhnliche Grundkonzept bereits nach zwei oder drei Kapiteln abnutzt. Gleichzeitig bleibt die zentrale Geschichte überschaubar genug, sodass man sich nicht durch komplizierte kosmische DC-Historie arbeiten muss.
Erica D’Urso und Dan Mora dürfen sich richtig austoben
Bei einer Geschichte mit diesem Konzept sind die Zeichnungen natürlich besonders wichtig. Und optisch macht „Die unsterbliche Legende von Batman“ einiges her.
Erica D’Urso und Dan Mora bekommen hier die Möglichkeit, einen Batman zu zeigen, der sich deutlich von der vertrauten schwarzen oder grauen Fledermausoptik unterscheidet. Rüstung, Energieeffekte, fremde Welten und teilweise sehr ungewöhnliche Gegner sorgen dafür, dass der Comic permanent nach Science-Fiction aussieht. Vor allem das Charakterdesign trägt einen großen Teil zur Geschichte bei.
Batman wirkt weiterhin sofort wie Batman, gleichzeitig könnte diese Version problemlos Bestandteil einer japanischen Actionserie sein. Ähnliches gilt für Robin und Nightwing. Dass die ursprüngliche Idee für das Projekt tatsächlich aus Charakterdesigns von Dan Mora entstanden ist, überrascht mich deshalb überhaupt nicht. Man merkt dem Comic an, wie wichtig die Optik für das gesamte Konzept ist.
Die Farben machen aus Batman eine kosmische Actionserie
Wer düstere Batman-Comics bevorzugt, bei denen Schwarz, Grau und dunkles Blau dominieren, bekommt hier ebenfalls einen kleinen Kulturschock. Dieses Fledermaus-Abenteuer darf bunt sein. Sehr bunt sogar.
Igor Monti und Tamra Bonvillain arbeiten mit kräftigen Farben, leuchtenden Energieeffekten und starken Kontrasten. Das passt perfekt zu den Tokusatsu-Einflüssen und sorgt gemeinsam mit den Zeichnungen dafür, dass viele Seiten enorm dynamisch wirken.
Natürlich verliert er dadurch einen Teil der düsteren Atmosphäre, die ich normalerweise mit der Figur verbinde. Innerhalb dieser Geschichte wäre eine zurückhaltende Farbgebung aber vermutlich die völlig falsche Entscheidung gewesen. Wenn man schon einen kosmischen Batman erzählt, dann darf dieser für mich auch entsprechend spektakulär aussehen.
Man muss sich auf dieses Abenteuer einlassen wollen
Ich kann gleichzeitig sehr gut verstehen, wenn dieser Comic nicht jedem Fan gefällt. Wer ausschließlich Geschichten wie „Das lange Halloween“, „Year One“ oder andere eher bodenständige Interpretationen der Figur bevorzugt, bekommt hier beinahe das komplette Gegenteil.
Der dunkle Rächer kämpft nicht einfach gegen Gangster in Gotham. Er ist Teil einer galaktischen Legende. Es gibt kosmische Kräfte, Transformationen und Gegner, die deutlich näher an japanischen Science-Fiction-Serien liegen als am klassischen Straßenverbrechen. Für mich funktioniert das vordergründig deshalb, weil der Comic gar nicht versucht, etwas anderes zu sein. Die Macher gehen mit ihrer Idee konsequent bis zum Ende.
Elseworlds darf gerne genau so verrückt sein
Genau für solche Geschichten mag ich das Elseworlds-Konzept von DC.
Wenn ein Comic außerhalb der regulären Kontinuität spielt, möchte ich nicht unbedingt eine Geschichte lesen, die genauso in der monatlichen Serie erscheinen könnte. Dann darf es gerne etwas Besonderes sein.
„Die unsterbliche Legende von Batman“ nutzt diese Freiheit und stellt die Frage, wie weit man den Mythos verändern kann, ohne seine grundlegenden Bestandteile komplett zu verlieren.
Das klappt nicht in jeder einzelnen Idee gleich gut und manchmal ist mir das Geschehen fast etwas zu überladen. Gleichzeitig hatte ich aber während des Lesens immer wieder dieses angenehme Gefühl, wirklich etwas Neues zu sehen. Das ist bei einer Figur, über die seit mehr als 80 Jahren Geschichten erzählt werden, schließlich gar nicht so einfach.
Ein komplett anderer Batman mit erstaunlich vertrautem Kern
Panini veröffentlicht mit „Die unsterbliche Legende von Batman“ die komplette sechsteilige US-Miniserie „Immortal Legend Batman“ in einem Band. Die deutsche Ausgabe umfasst 216 Seiten und bietet damit eine abgeschlossene Geschichte, für die keinerlei Vorwissen aus anderen aktuellen Serien notwendig ist.
Das finde ich bei solchen Experimenten besonders angenehm: Band kaufen, Geschichte lesen und am Ende tatsächlich eine vollständige Erzählung bekommen.
Für mich ist dieser Comic vorwiegend eine Empfehlung für Comic-Leser, die Lust auf etwas vollkommen anderes haben. Wer Batman unbedingt in Gotham sehen möchte und mit japanisch inspirierter Science-Fiction überhaupt nichts anfangen kann, dürfte wahrscheinlich nicht die Zielgruppe sein.
Wer dagegen Spaß daran hat, bekannte Figuren in gänzlich neuen Welten zu erleben, bekommt hier eine ungewöhnliche Mischung aus Batman, Science-Fiction, Tokusatsu und kosmischer Action.Ich hätte vorher jedenfalls nicht unbedingt gedacht, dass sich Batman- und Power-Rangers-Einflüsse derart gut miteinander vertragen. Nach „Die unsterbliche Legende von Batman“ weiß ich: Das funktioniert erstaunlich gut.
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Mehr über Batman unter anderem hier auf Redaktio.
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